Wie Neuronativ funktioniert
Transparenz über Methodik, Grundlagen und was uns von Einzeltests unterscheidet.
Wissenschaftliche Grundlagen
Neuronativ basiert nicht auf eigenen Theorien. Die Fragen, Skalen und Auswertungslogik
orientieren sich inhaltlich an validierten klinischen Instrumenten und den aktuellen
diagnostischen Kriterien DSM-5 und ICD-11.
Wir haben keinen dieser Tests übernommen oder adaptiert — aber die Items spiegeln
dieselben Konstrukte wider, die in der Forschung und Klinik als relevant gelten.
Instrumente, an denen wir uns orientiert haben
RAADS-R
Ritvo Autism Asperger Diagnostic Scale – Revised. 80 Items, 4 Domänen: soziale Bezogenheit, umschriebene Interessen, Sprache, sensorisch-motorische Symptome. Validiert für Erwachsene.
AQ – Autism Spectrum Quotient
Baron-Cohen et al. 50 Items zur Messung autistischer Traits bei Erwachsenen mit durchschnittlicher Intelligenz. Eines der meistgenutzten Screening-Instrumente weltweit.
ASRS v1.1 / ASRS-5
WHO Adult ADHD Self-Report Scale. 18 Items, entwickelt mit der Weltgesundheitsorganisation. Basiert auf DSM-5 Kriterium A. Public Domain.
CAT-Q
Camouflaging Autistic Traits Questionnaire. 25 Items, misst drei Arten von Masking: Kompensation, Verbergen, Assimilation. Besonders relevant für spät erkannte Profile.
TAS-20
Toronto Alexithymia Scale. 20 Items zur Messung von Schwierigkeiten in der Emotionswahrnehmung und -beschreibung (Alexithymie).
DERS
Difficulties in Emotion Regulation Scale. Misst Schwierigkeiten in der emotionalen Selbstregulation — Intensität, Nachklang, Kontrolle.
DSM-5 Kriterien A + B
Die Onset-, Kontext- und RRB-Fragen sind direkt an den diagnostischen Kriterien des DSM-5 für ADHS und Autismus orientiert.
ICD-11
Internationale Klassifikation der Krankheiten, 11. Revision. Ergänzt DSM-5 besonders im Bereich neurodivergenter Erwachsenenprofile und Komorbiditäten.
Die 10 Skalen
Neuronativ misst 10 Bereiche mit insgesamt 115 Items auf einer
6-stufigen Likert-Skala. Jedes Item wurde auf Grundlage der oben genannten Instrumente
formuliert — in natürlicher Alltagssprache, ohne klinischen Jargon.
Aufmerksamkeit
Interessensabhängige Fokussierung, Motivationsregulation, innere Unruhe. Orientiert an ASRS.
Exekutive Funktionen
Planung, Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle, Aufgabenbeginn. Orientiert an ASRS. → Mehr erfahren
Hyperfokus
Intensive Vertiefung, Zeitverlust, Aufhör-Schwierigkeiten. In Standardtests oft nicht eigenständig erfasst.
Sensorische Empfindlichkeit
Hyper- und Hyposensitivität, Interozeption, Feinmotorik. Orientiert an RAADS-R und AQ. → Mehr erfahren
Soziale Wahrnehmung
Implizite Signale, Gruppendynamiken, analytische vs. intuitive Verarbeitung. Orientiert an AQ und RAADS-R.
Struktur & Vorhersehbarkeit
Routinebedarf, Veränderungstoleranz, RRB-nahe Muster. Orientiert an RAADS-R DSM-5 Kriterium B.
Maskierung
Soziale Anpassung, Erschöpfung durch Anpassungsleistung, Skripte. Orientiert an CAT-Q. → Mehr erfahren
Überlastung
Reizverarbeitung, Erholungsbedarf, Shutdown-Tendenzen. Eigene Skala, in Standardtests nicht eigenständig vorhanden.
Emotionswahrnehmung (Alexithymie)
Schwierigkeiten Gefühle zu erkennen und zu benennen. Orientiert an TAS-20.
Emotionale Regulation
Intensität, Nachklang, Dysregulation. Orientiert an DERS. → Mehr erfahren
Die 10 Skalen werden zu 4 Clustern verdichtet:
ADHS-Cluster,
Autismus-Cluster,
Emotionale Verarbeitung und Kompensation & Belastung.
Jede Skala wird gewichtet — diagnostisch zentralere Bereiche fließen stärker ein.
Was Neuronativ anders macht
Kein einzelner Standardtest deckt alle Bereiche ab, die für eine vollständige
Selbsteinschätzung relevant sind. Neuronativ kombiniert und erweitert — mit Elementen,
die in dieser Form in keinem der klassischen Instrumente zu finden sind.
Was wir ergänzt haben
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Onset-Timing pro Skala
RAADS-R fragt nur grob "true now / true when young". ASRS fragt gar nicht nach Beginn. Neuronativ erfasst für jede der 10 Skalen separat, seit wann die Merkmale bestehen — in 5 Zeitfenstern von früher Kindheit bis Erwachsenenalter. Das ermöglicht DSM-5-konforme Onset-Validierung pro Bereich.
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DSM-5 Kriterium A + B direkt abgefragt
3 Fragen zu sozialer Kommunikation (Kriterium A) und 4 Fragen zu repetitiven Verhaltensweisen und Interessen (Kriterium B) — jeweils mit Timing. Kein Selbsttest kombiniert das mit Symptom-Screening in dieser Form.
✓
Kontext-Validierung (Settings, Beeinträchtigung, Verlauf)
5 zusätzliche Fragen zu: In wie vielen Lebensbereichen zeigen sich die Merkmale? Wie stark beeinträchtigend? Wie ist der Verlauf? Wie lange besteht das? Wo fällt es am deutlichsten auf? Das sind direkte DSM-5-Kriterien, die kein Selbsttest bisher systematisch integriert.
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Hyperfokus-Differenzierung
3 zusätzliche Fragen differenzieren Hyperfokus qualitativ: Sind Themen langfristig stabil oder wechseln sie häufig? Ist das Aufhören schwer (ADHS-Marker) oder die Vertiefung systematisch-strukturiert (Autismus-Marker)? Diese Unterscheidung existiert in keinem validierten Standardinstrument.
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ADHS + Autismus + Masking in einem Durchlauf
RAADS-R, ASRS und CAT-Q sind drei separate Tests mit je 25–80 Items. Neuronativ erfasst alle drei Bereiche plus Alexithymie, Emotionsregulation und Überlastung in einer einzigen Sitzung — mit aufeinander abgestimmter Auswertung.
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Meta-Kontext (Alter, Geschlecht, Stress, Medikation)
Vorab werden Alter, Geschlecht, diagnostischer Status, aktuelle Belastung, Lebenskontext, Medikation und Selbsteinschätzung erfasst. Diese Angaben fließen in die Mustererkennung ein — z.B. erhöht weibliches/diverses Geschlecht die Maskierungs-Konfidenz. Kein Standardtest verknüpft Meta-Daten systematisch mit der Auswertungslogik.
115
Testfragen
25+
Onset & Kontext
10
Skalen
4
Cluster
Wie die Auswertung funktioniert
1
Skalen-Scores
Aus den 115 Antworten werden 10 Skalen-Scores berechnet (0–100%). Jedes Item fließt mit gleichem Gewicht ein. Die Formel: (Mittelwert – 1) / 5 × 100.
2
Cluster-Bildung mit Gewichtung
Die 10 Skalen werden zu 4 Clustern verdichtet. Diagnostisch zentralere Skalen fließen stärker ein — z.B. Sensorik (×1.4) und Soziales (×1.2) im Autismus-Cluster, weil sie die Kern-Kriterien des DSM-5 abbilden.
3
Muster-Erkennung
Das System prüft auf spezifische Kombinationen: Hochmaskierung, Stress-Überlagerung, AuDHD-Interaktionsmuster. Jedes Muster hat eine eigene Konfidenz, die die Gesamt-Konfidenz beeinflusst.
4
Onset-Validierung
Die Timing-Angaben werden gegen DSM-5-Kriterien geprüft: Beginn vor 12 Jahren (ADHS), Beginn in der Kindheit (Autismus). Spätes Onset reduziert die Konfidenz und wird explizit ausgewiesen.
5
Konfidenz-Berechnung
Jedes Profil erhält eine Konfidenz (0–95%). Sie steigt mit höheren Scores und Dominanz, sinkt bei Überlappung zweier Cluster, Hochmaskierung oder Stress-Überlagerung. 100% gibt es nie — kein Selbsttest kann das leisten.
6
Profil-Bestimmung
Aus Cluster-Scores, Mustern und Konfidenzwerten wird das wahrscheinlichste Hauptprofil bestimmt — mit Zusatzprofilen für Überlagerungen wie Hochmaskierung oder Überlastung. Traits beschreibt erkennbare Merkmale ohne klare Dominanz.
Was dieser Test nicht kann
Kein Ersatz für professionelle Diagnostik. Neuronativ ist ein Selbsteinschätzungs-Tool — kein klinisches Instrument, keine Diagnose. Die Ergebnisse können als Gesprächsgrundlage mit Fachpersonen dienen, ersetzen aber keine psychiatrische oder psychologische Abklärung.
Selbsteinschätzung hat Grenzen. Masking kann die Selbstwahrnehmung verzerren. Aktuelle Belastung (Burnout, Trauma, Depression) kann Werte erhöhen. Manche Merkmale sind schwer selbst einzuschätzen.
Keine Differenzierung zwischen Ursachen. Hohe Werte in einzelnen Bereichen können durch Neurodivergenz entstehen — aber auch durch Angststörungen, Trauma oder chronische Erschöpfung.
Kulturelle Kalibrierung. Die Items sind auf deutschsprachige, westeuropäische Kontexte ausgerichtet. Kulturelle Unterschiede in Sozialverhalten und Selbstbeschreibung werden nicht vollständig abgebildet.
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115 Fragen, 10 Skalen, ca. 20–30 Minuten. Kostenlose Übersicht danach, vollständige Auswertung optional.
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